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Die Legende vom Dreifach-Sonnengebäck: Der Ursprung der Brezel

Es war keine gute und leichte Zeit für die Dithmarscher im Spätsommer 1560. Ein Jahr nach der Unterwerfung durch den ungeliebten König Jütlands braute sich weiteres Unheil gegen die freiheitsliebenden Dithmarscher zusammen.

Seit Tagen, Wochen und einer gefühlten Ewigkeit regnete es im Dithmarscher-Land. Es nahte die Erntezeit, doch das Wetter schickte keine Sonne, sondern einen Sturm nach dem anderen. An der Küste brachen sich die Wellen und liefen die Deiche bis zur Deichkrone hoch. Der Regen prasselte auf das Marschenland unentwegt herab und die Fleete waren übervoll.

Mit Ende des Sommers gingen auch die Vorräte der Dithmarscher langsam zu Neige und Missernten drohten, wenn nicht ein Wunder geschähe: Also dass entweder das Wetter umschlagen würde oder der ungeliebte König aus dem fernen Jütland seine Vorratsspeicher für die widerspenstigen Dithmarscher öffnen würde.

Doch man tat sich schwer mit dem Gedanken, vom ungeliebten Lehnsherren, dem fernen König, Hilfe anzunehmen. Zu groß war der Stolz, und noch immer pochte das Herz der Unabhängigkeit in einem jeden Dithmarscher. Noch im Jahre 1500 hatte man die weit überlegene „Schwarze Garde“ des Königs von Jütland vernichtend mit List und Wagemut geschlagen, doch 1559 besiegte der König die Dithmarscher und sie wurden widerwillig zu Untertanen gemacht.

Man wollte sich treu bleiben, und so beschloss man, gegenüber dem König Willensstärke zu zeigen und verdeutlichte dies dadurch, dass ein Dithmarscher weder vor dem Wetter noch innerlich vor dem König kapitulieren wird.

Just in dieser dunklen Zeit durchquerte der König Dithmarschen, um seinen Untertanen Gnade zu gewähren und sie mit Lebensmitteln zu versorgen und so ihr Wohlwollen zu erlangen. In Marne hielt der königliche Tross und der König suchte Bäcker Kalle auf. Er wollte erfahren, an welchen Rohstoffen es am meisten mangelte, so dass man weiter gutes Brot für die Dithmarscher backen könne.

Bäcker Kalle war nun in einem Dilemma, dringend brauchte er Rohstoffe, um Brot für die leidende Bevölkerung zu backen. Doch er kannte seine Dithmarscher, sie würden das Brot nicht essen, da es auf der Gnade des Königs beruhte. Der Bäcker grübelte und antwortete geistesgegenwärtig: „Eure Hoheit, die Dithmarscher brauchen nicht Eure Gnade, sondern dreifach Sonne in den kommenden Wochen, dann kann noch geerntet werden und die Bevölkerung versorgt werden.“

Der König erwiderte daraufhin: „Bäcker Kalle, wenn du bis morgen ein Gebäck backst, durch das dreimal die Sonne scheinen kann, so werde ich für drei Sommer den Dithmarschern keinen Zehnten abverlangen, ihre Unabhängigkeit respektieren und ihre Deiche und Fleete richten, so dass ein solches Unwetter den Dithmarschern nichts mehr anhaben kann.“ Siegessicher verabschiedete sich der König.

Bäcker Kalle blieb sprachlos zurück. Ein Gebäck backen, durch das dreimal die Sonne scheint? Mit den wenigen Zutaten, die er noch hatte, wie Wasser, Mehl, Salz und Hefe? Die Situation war verworren und schien aussichtslos. Bäcker Kalle lief in Schleifen nachdenklich durch seine mehlige Backstube, immer wieder und wieder. Nach Stunden setzte er sich schließlich erschöpft auf einen Mehlsack und vergrub sein Gesicht resigniert in seinen Händen. Als er wieder aufblickte, traute er seinen Augen nicht. Auf dem mehligen Backstubenboden sah er die Lösung vor sich. Seine Fußabdrücke bildeten eine große Schleife, die drei Löcher hatte. Und so sah er das Gebäck vor seinen Augen, durch das dreimal die Sonne scheinen könne. Bäcker Kalle machte sich frisch ans Werk, knetete einen Teig aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz. Portionierte die Teigstücke, formte lange Stränge aus ihnen. Und flocht sie so zusammen, wie die Fußabdrücke auf seinem Boden. Nach notwendiger Reifung schob er das Sonnengebäck in den vorgeheizten Ofen.

Gerade als der König mit seinem Tross vor der Bäckerei ankam, zog Bäcker Kalle das Gebäck aus dem Ofen. Der König trat, den Triumph erwartend, vor die Bäckerei und rief laut: „Nun Bäcker, wo ist dein Gebäck, durch das dreimal die Sonne scheinen kann?“

Bäcker Kalle trat heraus mit seinem Sonnengebäck und sprach: „Hier ist das Gebäck, durch das dreimal die Sonne scheinen kann.“ Und als er es hochhielt, riss der Himmel nach der gefühlten ewigen Regenzeit auf, die Sonne durchbrach die Wolken, Sonnenwärme erreichte die Menschen und durch das Gebäck schien dreimal die Sonne.

Der König war sprachlos und verließ prompt mit seinem Gefolge Dithmarschen und ward für drei Sommer nicht mehr gesehen. Die Dithmarscher konnten die Ernte einbringen und feierten ihre wiedergefundene Unabhängigkeit. Der Zehnt, den sie für drei Jahre dem König schuldig bleiben konnten, nutzten die Dithmarscher für die Erhaltung ihrer Deiche und Fleete.

Und das Sonnengebäck wurde zum Symbol für gegenseitig helfende Hände, die man in dem Gebäck erkennen konnte.

Und so erlangte die Brezel ihren Namen – angelehnt an das Aussehen verschränkter Arme (Arm = lat. brachium), die sich gegenseitig helfend umschlingen.

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