Bäcker mit Laib und Seele
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Die schwarze Seele und das Osterbrot

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Es war einmal in einem Dorf in Dithmarschen ein wohlhabender Bäcker. Der war aber ein garstiger und hartherziger Mensch, der den lieben langen Tag fluchte und Gott lästerte, seine Frau, die Kinder und seinen Gesellen schlug und Kranke und Bedürftige von seinem Hof scheuchte. Da er aber der einzige Bäcker im Dorfe war und jeder bei ihm kaufen musste, so backte er seine Waren klein, streckte sie mit allerlei Unrat und verkaufte sie teuer.
Weder seine Frau noch sein Geselle, der ein weichherziger junger Mann war, und nicht einmal der Pastor, konnten den Bäcker besänftigen und zur Wohltätigkeit ermuntern.

Als nun sein letztes Stündlein schlug, da stand nicht ein Engel an seinem Bett, sondern der Teufel höchstpersönlich. „Verflucht sollst du sein und fürderhin als Untoter über die Lande ziehen. Erst wenn sich ein mitleidiger Mensch findet, der sich deiner schwarzen Seele erbarmt, wirst du Frieden finden!“, sprach der Teufel und entschwand. Die Seele des Bäckers aber zog nun ruhelos durch die Dithmarscher Lande.
Die Jahre gingen dahin, der Geselle Kalle war Meister geworden und hatte die Bäckerei übernommen, geheiratet und eine wunderhübsche Tochter. Inzwischen führte er die Bäckerei wieder so, wie es sich für einen ordentlichen Bäcker gehörte, die Leute vertrauten seiner Backkunst und man schätzte sein heiteres und liebevolles Gemüt.

Doch genau am 13. Geburtstag seiner Tochter klopfte es an die Tür. Die Tochter öffnete freudig. Doch da stand niemand. Verwundert schloss sie die Tür wieder. Und kurz darauf klopfte es erneut. Diesmal ging die Mutter öffnen. Doch wieder war niemand zu sehen. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, hörten die drei das Klopfen von Neuem. Entschlossen öffnete nun Kalle selbst eiligst die Tür, in der Hoffnung, den vermeintlichen Störenfried zu erwischen: „Na, warte, du!“ Doch der Anblick, der sich Kalle nun bot, war so erschreckend, dass er rücklings ins Zimmer fiel und stammelte: „W … Was willst du?“
Vor ihm erhob sich der schwarze Geist des verstorbenen Bäckermeisters, der mit donnernder Stimme rief: „13 verfluchte Jahre ziehe ich nun schon durch die Gegend und kann keine Ruhe finden. Du musst mich erlösen und wenn nicht, dann muss ich in der Osternacht deine Tochter mitnehmen, so hat es der Teufel mir befohlen!“ Und unter Krachen und Zischen entwich der Geist des alten Bäckers durch den Schornstein. Zurück blieb ein Geruch wie verbranntes Brot.

Die Bäckersfamilie war entsetzt und ratlos. Sieben Wochen waren es bis zur heiligen Osternacht – aber was sollten sie tun? Frau und Tochter wussten, wie sehr Kalle als Geselle unter dem Alten gelitten hatte und dass er, obwohl er sonst ein gutes Herz hatte, diesem nicht verzeihen konnte. Wie sollte er ihn dann erlösen können?
Da war guter Rat teuer. Kalle fasste den Entschluss, sich dem Pastor anzuvertrauen. Der alte Dorfpastor hatte den alten Bäcker noch gekannt, es wunderte ihn nicht, dass dessen schwarze Seele keinen Frieden mit Gott fand. Er versprach Kalle, sich etwas einfallen zu lassen. Und schon am nächsten Tag kam der Pastor atemlos zu Kalle in die Backstube gestürzt und rief: „Ich habe die Lösung!“ Kalle lauschte gespannt.

„Du weiß doch, dass der alte Bäcker sich damals gegen die Kirche gestellt hat und den guten christlichen Brauch des Osterbrotbackens nicht weitergeführt hat?“

„Ja, stimmt, und ich habe mich nicht wieder rangetraut, weil ich dafür kein überliefertes Rezept habe.“
„Keine Sorge, Kalle, das Rezept wird dir zufallen, wenn du nur rechtes Gottvertrauen hast! Und an Karfreitag kommt du dann mit dem Osterbrot zu mir und es wird von mir geweiht.“
Und so machte sich Kalle frisch ans Werk und ließ sich von seinen Zutaten inspirieren. Ein Osterbrot darf ja ruhig etwas üppiger sein, also nahm er außer Weizenmehl und gutem Fett auch Rosinen, Mandeln, Hagelzucker und seine spezielle Aromamischung, die er keinem verriet. Nach ein paar Backversuchen meinte er, das richtige Brot zu haben: goldgelb, mit gerösteten Mandelstiften und Hagelzucker bestreut. Er brachte es seiner Frau und der Tochter, die begeistert waren. Nun hieß es abwarten.

Am Nachmittag des Karfreitags brachte Kalle ein ofenfrisches Osterbrot dem Pastor. Feierlich weihte der das Brot und ermahnte Kalle: „Aber auch du musst deinen Zorn begraben, tu es deiner Tochter zuliebe! Und nun geh mit Gott Segen!“
Und als nun in der Osternacht die schwarze Seele des Bäckers wieder erschien und seine Hände zur Tochter ausstrecken wollte, da hielt ihm Kalle mutig das geweihte Osterbrot entgegen und sprach: „Ich verzeihe dir, aber du musst dieses Brot brechen und deine Sünden bereuen!“ Und schon als der Geist das Brot berührte, löste er sich in weißen Rauch auf und verschwand für immer. „Jetzt hat er seinen Frieden gefunden – und ich auch“, seufzte Kalle erleichtert und umarmte seine Familie.

Und aus lauter Dankbarkeit schenkte er jedem Dorfbewohner am Ostermorgen sein eigenes Osterbrot – eine Tradition, die er für den Rest seines Lebens pflegte.

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